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Sonntag, 18. November 2018

 

Wie werden Stammzellen medizinisch genutzt?

Der New Yorker Arzt E. Donnall Thomas betrat absolutes Neuland, als er am 12. September 1957 bei Krebspatienten erstmals Knochenmark-Stammzellen transplantierte. Seine Idee: diese Stammzellen sollten die Blutbildung wieder aufbauen, die als Nebenwirkung einer Krebsbehandlung mit hoch dosierter Bestrahlung und Chemotherapie zerstört wird.

Anfang der 1970er Jahre gelang der neuen Behandlungsmethode endgültig der Durchbruch. Hunderttausende Krebspatienten haben seither von der Stammzelltransplantation profitiert – allein im Jahr 2006 waren es weltweit 50.000 Menschen, gut die Hälfte davon in Europa. Auch die Anwendungsgebiete haben sich vervielfacht. Mehr als hundert verschiedene Erkrankungen werden inzwischen mit Stammzellen behandelt – nicht nur Krebs, sondern auch Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen.

Seit Anfang der 2000er Jahre sind mit der Regenerativen Medizin komplett neue Einsatzgebiete für Stammzellen erschlossen worden. Hier geht es nicht darum, die Symptome der Krankheit, sondern ursächlich die Schädigung des Gewebes zu behandeln. So haben deutsche Ärzte zum Beispiel in Düsseldorf und Rostock bereits 2002 damit begonnen, Herzinfarktpatienten begleitend mit eigenen (autologen) Knochenmark-Stammzellen zu behandeln. Übereinstimmend wurde dabei eine verbesserte Pumpleistung des geschädigten Herzens beschrieben.

Inzwischen ist der therapeutische Einsatz von Stammzellen bei einer Vielzahl von Erkrankungen auf dem Vormarsch. Bei einer ganzen Reihe von Krankheiten wird intensiv an Einsatzmöglichkeiten geforscht, so dass in den nächsten Jahren mit weiteren Durchbrüchen zu rechnen ist.

Beispiele aktueller Einsatzgebiete von Stammzell-Therapien

  • Lymphome, z.B. Multiples Myelom, Non-Hodgkin’s Lymphom, Burkitt-Syndrom
  • Leukämien, z.B. Akute Lymphatische Leukämie (ALL), Akute Myeloische Leukämie (AML)
  • Angeborene Störungen des Immunsystems, z.B. SCID, Wiskott-Aldrich-Syndrom
  • Behandlung chronischer Wunden, z.B. Ulzera

Zudem befinden sich weitere Anwendungsgebiete in zum Teil fortgeschrittenen klinischen Untersuchungen:

Kardiologie:

  • Geweberegeneration nach Herzinfarkt
  • Züchtung von mitwachsenden Herzklappen bei angeborenen Herzklappenfehlern

Urologie:

  • Behandlung von Harninkontinenz
  • Behandlung von Niereninsuffizienz

Autoimmunkrankheiten:

  • Typ-1-Diabetes: Züchtung von Insulin-produzierenden Zellen
  • Rheumatoide und juvenile Arthritis

Onkologie

  • Brustkrebs
  • Nierenzellkarzinom

Neurologie

  • Nervenzellregeneration nach Schlaganfall
  • Traumatische Verletzungen der Wirbelsäule
  • Multiple Sklerose

Zusammenfassend

Damit finden Stammzellen einerseits breiten Einsatz bei den großen Volkskrankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs, die hauptsächlich für die Krankheitslast und Mortalität im Alter verantwortlich sind. Andererseits können Sie bei angeborenen Erkrankungen, wie zum Beispiel Herzfehlern oder Typ-1-Diabetes, bereits im Kindesalter zum Einsatz kommen. Insgesamt wird seitens der Mediziner große Hoffnung in das therapeutische Potenzial der unterschiedlichen Stammzellen gesetzt, auch und gerade bei Erkrankungen, bei denen pharmazeutische Wirkstoffe bislang kaum einen therapeutischen Fortschritt bewirken konnten.

 

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