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Themen > Stammzellen > Adulte Stammzellen > Definition

Donnerstag, 22. Februar 2018

 

Gewinnung von Stammzellen

Die Gewinnung von adulten Stammzellen aus dem Knochenmark erfolgt mittels Punktion des Beckenknochens unter Vollnarkose. Zur peripheren Stammzellentnahme wird dem Spender zunächst über den Zeitraum von fünf Tagen ein Wachstumsfaktor injiziert. Danach werden die Stammzellen über die Vene gewonnen. Nabelschnurblut wird nach der Abnabelung des Kindes aus dem noch in Nabelschnur und Plazenta befindlichen Blut entnommen. Die Gewinnung von Stammzellen aus Haut oder Muskel erfolgt mittels einer kleinen Biopsie in örtlicher Betäubung im ambulanten Bereich. Ausschließlich für Hautersatz können Stammzellen auch aus ausgezupften Haarbälgen gewonnen werden.

Eigene oder gespendete Stammzellen?

Grundsätzlich können die eingesetzten Stammzellen von dem Patienten selbst stammen (autologe oder Eigenspende) oder einem anderen Menschen (allogene oder Fremdspende). Letztere finden vor allem bei Leukämien oder anderen Blutkrebserkrankungen Anwendung. Autologe Stammzellen werden dahingegen bei soliden Tumoren eingesetzt. Sie sind zudem die Hoffnungsträger im Bereich der regenerativen Medizin, zum Beispiel für zukünftige Therapien nach einem Herzinfarkt, einer kindlichen Hirnschädigung oder dem Diabetes Typ 1, da keine Abstoßungsreaktionen durch das Immunsystem zu befürchten sind.

Der Einsatz fremder Stammzellen führt wie bei allen Transplantationen grundsätzlich zu Abstoßungsreaktionen. Daher ist es wichtig, einen passenden Spender zu finden, der in möglichst vielen Merkmalen mit dem Empfänger übereinstimmt und damit eine Abstoßung zu minimieren. Dennoch müssen Empfänger gespendeter Stammzellen in der ersten Phase über einen längeren Zeitraum Medikamente zur Unterdrückung der Abstoßung einnehmen. Stammzellen naher Verwandter – idealerweise von Geschwistern – sind die erste Wahl. Nur in den Fällen, wo keine passenden Stammzellspender in der Verwandtschaft gefunden werden, kommen Stammzellen von anonymen Spendern (allogen) zum Einsatz. Das Einsatzgebiet von gespendeten Stammzellen sind vor allem Leukämien und genetische Erkrankungen.

Einsatzgebiete für Stammzellen. Quelle: Gratwohl A et al. Results of the EBMT activity survey 2005 on haematopoietic stem cell transplantation: focus on increasing use of unrelated donors. Bone Marrow Transplant 2007; 39: 71–87

 

Reprogrammierung autologer (eigener) Stammzellen

In einer spezialisierten (adulten) Körperzelle ist der Hauptteil des Erbguts inaktiviert, da er für die ausgewählte Funktion dieser Zelle nicht mehr benötigt wird. Embryonale Stammzellen gelten hingegen als Ersatzteillager für defekte Organe. Weil die Gewinnung embryonaler Stammzellen allerdings ethisch umstritten ist, arbeiten Wissenschaftler daran, Körperzellen zu pluripotenten Stammzellen umzuprogrammieren. Von den Fähigkeiten her wären die dabei entstehenden pluripotenten Stammzellen (iPS) mit embryonalen Stammzellen vergleichbar. Aus ihnen ließen sich alle beliebigen Körperzellen züchten.

Dem Stammzellforscher Hans Schöler und seinen Kollegen Jeong Beom Kim, Holm Zaehres und anderen vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin ist es nun gelungen, adulte Stammzellen aus dem Gehirn einer Maus durch Einschleusen eines Retrovirus Gens, wieder zu Alles-Könner-Zellen (pluripotenten Stammzellen) zu reprogrammieren. Die Forscher züchteten daraus Herz-, Nerven- oder Keimzellen – und noch mehr: "Wir haben aus den induzierten Stammzellen auch Keimzellvorläufer entwickelt, die sich zu einem Fötus entwickelt haben", sagt Schöler. "Wenn Sie das zeigen können, ist alles andere obsolet." Thomas Skutella, Stammzellforscher an der Universität Tübingen, bewertet Schölers neue Arbeit als eine weitere sehr wichtige Arbeit bei der Weiterentwicklung von induzierbaren pluripotenten Stammzellen (iPS). Quelle: Spiegel online.

 

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