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Dienstag, 21. November 2017

 
Prof. Wolfgang Wagner
Prof. Wolfgang Wagner

2010 So können Zelltherapien sicherer werden

Therapien mit körpereigenen Stammzellen können nur sicherer werden, wenn man mehr darüber weiß, wie sich diese Zellen entwickeln.

Davon ist Prof. Wolfgang Wagner, Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes Stammzellbiologie und Cellular Engineering der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, überzeugt. Er stellt diese Zellen deshalb gemeinsam mit seinem Team auf den Prüfstand. Dabei hat sich im Labor unter anderem herausgestellt: Die Stammzellen junger Spender verhalten sich anders als diejenigen älterer Spender. Ein Interview mit Prof. Wagner über die Bedeutung reiner Zellkulturen, über Transplantationen und über Zellen, die in die Jahre kommen.

Interview

DieStammzelle: Weshalb konzentrieren Sie sich bei Ihren Forschungen auf körpereigene, so genannte adulte Stammzellen?

Prof. Wolfgang Wagner: Sie haben viele Vorteile, wenn sie für Therapien wie etwa bei Leukämie verwendet werden – von ihnen geht zum Beispiel kaum die Gefahr aus, dass Tumore entstehen.

DieStammzelle: Welche Zellen nehmen Sie und Ihr Team in Aachen ins Visier?

Prof. Wolfgang Wagner: Wir befassen uns seit April 2009 mit blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen sowie den Vorläuferzellen von Knorpel-, Fett und Knochengewebe, so genannten mesenchymalen Stroma-Zellen (MSC). An solchen Zellen habe ich bereits über mehrere Jahre am Heidelberger Uni-Klinikum geforscht – immer mit dem Ziel, die molekularen Zelleigenschaften besser zu verstehen und Veränderungen zu begreifen.

DieStammzelle: Warum ist das so wichtig?

Prof. Wolfgang Wagner: Es wäre ein bedeutender Schritt auf dem Weg, reine Zellkulturen für Therapien herzustellen. Das ist bisher nämlich noch nicht möglich. Bei den momentan gezüchteten Kulturen handelt sich immer um Mischungen verschiedener Zelltypen. Mithilfe unserer Erkenntnisse möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass künftig zum Beispiel sichere Blutstammzelltransplantationen mit standardisierten Zellkulturen, etwa aus Nabelschnurblut, möglich werden.

DieStammzelle: Auf welchem Weg sammeln Sie neue Erkenntnisse über die Stammzellen?

Prof. Wolfgang Wagner: Wir machen getrennte Analysen der hämatopoetischen und mesenchymalen Zellen, bei denen zum Beispiel bleibende Veränderungen der Gene auf der DNA, der Trägerin der Erbinformationen, festgestellt werden. Diese werden epigenetische Modifikationen des DNA-Methylierungsmusters genannt. Darüber hinaus schauen wir uns aber auch an, wie die beiden Zelltypen miteinander agieren und welchen Einfluss sie jeweils aufeinander haben. Unter die Lupe genommen werden außerdem die Einflüsse von Biomaterialien und Kulturmedien, in denen die Zellen gezüchtet werden.

DieStammzelle: Haben Sie bei Ihrer Arbeit bereits spannende Feststellungen gemacht?

Prof. Wolfgang Wagner: Unter anderem hat sich herausgestellt, dass sich das Alter der Spender auf die Entwicklung der Zellen auswirkt.

DieStammzelle: Könnte man also sagen, dass Stammzellen zusammen mit ihrem Spender in die Jahre kommen?

Prof. Wolfgang Wagner: Tatsächlich nimmt das Regenerationsvermögen unserer Gewebe im Alter ab. Die Regeneration wird ja von den körpereigenen Stammzellen gewährleistet. Somit liegt die Vermutung nahe, dass die Stammzellen im Alter an Funktion einbüßen. Interessanterweise werden insbesondere Gene, welche die Entwicklung des Körpers steuern, im Laufe des Alterns unterschiedlich abgelesen. Außerdem wurden bei älteren Spendern gezielte Modifikationen der DNA nachgewiesen, so dass bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz nicht mehr abgelesen werden.

DieStammzelle: Das wirft ja ein ganz neues Licht auf Alterserscheinungen wie etwa eine faltige Haut …

Prof. Wolfgang Wagner: Das stimmt. Sie erscheinen nicht als Folge von Verschleiß wie bei einem alten Auto, sondern als Folge einer gesteuerten Zell-Entwicklung, die scheinbar als Programm angelegt ist.

DieStammzelle: Wer unterstützt Sie bei Ihrer Arbeit?

Prof. Wolfgang Wagner: In erster Linie natürlich meine Mitarbeiter, drei Doktoranden, ein Post-Doc, eine medizinisch-technische Assistentin und eine Bachelor-Studentin. Wir alle werden durch das Kompetenzwerk Stammzellforschung NRW gefördert – über fünf Jahre hinweg durch 1,25 Millionen Euro.

DieStammzelle: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mehr Informationen unter

http://www.ukaachen.de/content/page/10209369

 

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